„... und, wenn es Dein Wachs vermöchte, male sie von Salbe duftend“.

Unter den Gedichten Anakreons ist eines, worin er einem Maler Anweisungen gibt, wie das Portrait der Geliebten anzufertigen sei: mit Wachs, selbstverständlich, und mit höchster Realitätsnähe: „duften“ sollen die Haare. Das Gedicht reiht sich ein in eine ganze Reihe von Zitaten und Redewendungen antiker Autoren über „Wachs“, die nahelegen, dass nur diese Technik als „hohe Kunst“ angesehen wurde.


Heute versteht man unter Enkaustik ein relativ einfaches Verfahren, bei dem buntes heißes Wachs mit elektrisch beheizten Werkzeugen aufgetragen wird, dabei wird die Dicke des Farbauftrags für die überwiegend abstrakten oder expressionistischen Bilder in Kauf genommen und sogar angestrebt.

 

Mein „Malen“ besteht im Auftragen, Verstreichen und Wegkratzen überschüssiger Farbe. Ist der erwünschte Effekt erzielt, trage ich auch gerne mal etwas zu dick aufgetragene Farbe vorsichtig mit dem Spatel ab. Die Farbe stockt innerhalb weniger Sekunden und härtet innerhalb von drei Wochen vollkommen aus, wobei sie natürlich weiterhin empfindlich gegenüber Kratzern bleibt. Nichtsdestotrotz geht die Berührungsempfindlichkeit, die bei Wachs besteht, verloren; die aufgetragene Farbe verharzt.